Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans gegen Wohnungslosigkeit „Gemeinsam für ein Zuhause“ hat die Bundesregierung am 28. Januar 2026 einen neuen „Leitfaden für die Unterbringung wohnungsloser Menschen“ veröffentlicht. Er wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) sowie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) erarbeitet.
Ziel des Leitfadens ist es, bundesweit verbindliche Empfehlungen für die Ausgestaltung und Qualität von Notunterkünften zu formulieren. Damit soll sichergestellt werden, dass wohnungslose Menschen auch in ordnungsrechtlicher Unterbringung menschenwürdig, sicher und fachlich angemessen untergebracht werden.
Strategische Bedeutung für die Freie Wohlfahrtspflege
Für Einrichtungen und Träger der Freien Wohlfahrtspflege hat der Leitfaden eine große strategische Bedeutung. Er stärkt die menschenrechtliche Argumentation gegenüber Kommunen und politischen Entscheidungsträgern und bietet eine fundierte Grundlage zur Durchsetzung von Qualitätsstandards.
Gleichzeitig unterstützt er Träger bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von Konzepten zu Unterbringung, Betreuung und Schutz. Besonders hervorgehoben wird, dass Notunterbringung nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern in ein integriertes Hilfesystem eingebettet sein muss. Dazu gehören:
- sozialarbeiterische Begleitung,
- Maßnahmen zur Wohnraumsicherung,
- präventive Angebote zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit.
Zudem betont der Leitfaden die Bedeutung von Partizipation, Selbstbestimmung und der Wahrung der Würde der Betroffenen.
Notunterbringung darf keine Dauerlösung sein
Deutlich wird auch: Notunterkünfte dürfen nur eine kurzfristige Lösung darstellen. In der Praxis sieht die Realität jedoch häufig anders aus. Rund 40 Prozent der betroffenen Menschen leben länger als zwei Jahre in ordnungsrechtlicher Unterbringung.
Damit verfehlt das System seinen eigentlichen Zweck und verstetigt prekäre Lebenslagen. Der Leitfaden macht deutlich, dass es neben Qualitätsstandards in Unterkünften vor allem strukturelle Lösungen braucht.
Wohnungsmarkt als zentrale Herausforderung
Um dauerhafte Perspektiven zu schaffen, sind umfassende wohnungspolitische Maßnahmen notwendig. Dazu gehören insbesondere:
- der Ausbau des Sozialwohnungsbaus,
- die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum,
- wirksame Instrumente zur Mietregulierung.
Ohne eine aktive Wohnraumpolitik bleibt selbst die bestmögliche Notunterbringung ein unzureichender Ersatz für echte Wohnsicherheit.
Fazit
Der neue Leitfaden stellt einen wichtigen Meilenstein für die Verbesserung der Unterbringung wohnungsloser Menschen dar. Er schafft fachliche Orientierung, stärkt die Position sozialer Träger und setzt klare menschenrechtliche Maßstäbe.
Gleichzeitig zeigt er die Grenzen ordnungsrechtlicher Unterbringung auf. Dauerhafte Lösungen können nur durch eine konsequente Wohnraumpolitik und ein gut verzahntes Hilfesystem erreicht werden.
Der Leitfaden ist abrufbar unter:
https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/BBSR_Onlinepublikation_Leifaden_ordnungsrechtliche_Unterbringung_v5_14012026.pdf
