Wer in relativer Sicherheit lebt, hat einen privilegierten Blick auf das, was weltweit geschieht. Dieser Blick ist ein Geschenk – aber auch eine Verantwortung. Denn während hier Alltag und Normalität möglich sind, erleben Millionen Menschen Gewalt, Unterdrückung und existenzielle Not.
Brutale Repression im Iran
Im Iran geht das Regime mit extremer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vor. Nach Angaben der iranischen Opposition sprechen die Zahlen von bis zu 43.000 Toten, tausenden Erblindeten durch Schrotgewehr-Einsätze ins Gesicht, hunderttausenden Verletzten und zehntausenden Inhaftierten.
Unabhängig von der genauen Statistik ist klar: Es handelt sich um massive, systematische Menschenrechtsverletzungen. Protest wird mit Terror beantwortet, Widerstand mit Zerstörung.
Angriff auf die kurdische Selbstverwaltung in Rojava
Hinzu kommt der anhaltende Angriff auf die kurdischen Gebiete in Rojava durch staatliche Streitkräfte und islamistische Gruppen. Ziel ist die Zerschlagung der kurdischen Selbstverwaltung und der Schutzräume.
Bereits jetzt gibt es tausende Tote. Besonders bitter: Es sind dieselben kurdischen Kräfte, die vor wenigen Jahren maßgeblich dazu beigetragen haben, den sogenannten „Islamischen Staat“ zurückzudrängen – oft unter enormen Opfern.
Der Krieg gegen die Ukraine: Ein Dauerzustand des Leidens
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine befindet sich inzwischen im vierten Jahr. Die Folgen sind verheerend: unzählige Tote, zerstörte Städte, traumatisierte Generationen.
Rund 39 Millionen Menschen müssen zeitweise bei eisigen Temperaturen ohne Strom, Heizung und Warmwasser auskommen – oft über viele Stunden am Tag. Das ist eine humanitäre Katastrophe, die im Westen zunehmend mit Gleichgültigkeit wahrgenommen wird.
Die USA: Demokratie unter Druck
Auch in den USA sind besorgniserregende Entwicklungen zu beobachten. Der autoritäre Umbau staatlicher Strukturen, rassistische Abschiebepolitik und massive Repression gegen Migrant*innen belasten Gesellschaft und Demokratie.
Die politische Rhetorik und Praxis erzeugen Angst, Spaltung und Gewaltpotenziale. Die Gefahr einer weiteren Eskalation ist real.
Was dort sichtbar wird, zeigt zugleich, was rechte Bewegungen in Europa mit Begriffen wie „Remigration“ und „wohltemperierter Grausamkeit“ meinen: systematische Ausgrenzung, Entrechtung und Abschreckung durch Leid.
Informiert bleiben – und handlungsfähig werden
All diese Entwicklungen sind schwer auszuhalten. Sie können überfordern, wütend machen oder lähmen. Doch Wegsehen ist keine Lösung.
Informiert zu bleiben bedeutet nicht, sich in Hilflosigkeit zu verlieren. Es bedeutet:
- sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen,
- solidarisch zu bleiben,
- Haltung zu zeigen,
- und zu überlegen, wo eigenes Engagement möglich ist.
Das kann politisch, zivilgesellschaftlich, beruflich oder im direkten Umfeld geschehen.
Warum das auch uns betrifft
Es geht nicht nur um „ferne Konflikte“. Es geht um Grundfragen von Menschenwürde, Freiheit und Solidarität. Um die Frage, in welcher Welt wir leben wollen – und in welcher nicht.
Was heute andere trifft, kann morgen auch uns betreffen.
Menschlichkeit, Empathie und Engagement sind keine naiven Ideale. Sie sind Voraussetzungen für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.
