Die Digitalisierung der Sozialverwaltung schreitet weiter voran. Immer mehr Leistungen der Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit (BA) können online beantragt werden. Ziel ist es, Verwaltungsverfahren zu vereinfachen und schneller zu gestalten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass digitale Angebote nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sind.
Bürgergeld kann weiterhin schriftlich beantragt werden
Die Bundesagentur für Arbeit bietet die Beantragung von Bürgergeld über ihr Online-Portal an. Gleichzeitig stellt sie klar, dass Anträge weiterhin auch in Papierform eingereicht werden können. Die erforderlichen Formulare stehen im Download-Center der BA zur Verfügung oder können direkt beim zuständigen Jobcenter angefordert werden.
Für Menschen ohne Internetzugang, ohne Smartphone oder mit geringen digitalen Kenntnissen bleibt der schriftliche Antrag ein wichtiger Zugang zu existenzsichernden Leistungen. Sozialberatungsstellen weisen regelmäßig darauf hin, dass dieser gesetzlich vorgesehene Weg uneingeschränkt erhalten bleiben muss.
Bundesregierung bestätigt Probleme bei den digitalen Angeboten
Dass die Digitalisierung nicht überall reibungslos funktioniert, bestätigt auch die Bundesregierung. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage räumt sie ein, dass Berichte über Schwierigkeiten beim Registrierungs- und Authentifizierungsprozess im Online-Portal der Bundesagentur für Arbeit bekannt sind. Dazu zählen Probleme bei der erneuten Anmeldung nach einer Registrierung, technische Schwierigkeiten mit bestimmten Endgeräten sowie der Umstand, dass nicht alle Nutzerinnen und Nutzer über ein Smartphone verfügen.
Hinzu kommen zusätzliche Herausforderungen durch die verpflichtende Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA), die die Bundesagentur für Arbeit seit April 2025 für den Zugang zu ihren Online-Diensten eingeführt hat. Die BA begründet diesen Schritt mit dem Schutz personenbezogener Daten und der IT-Sicherheit.
Digitalisierung muss alle Menschen erreichen
Digitale Verwaltungsangebote können den Zugang zu Sozialleistungen erleichtern und Bearbeitungszeiten verkürzen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie barrierearm gestaltet sind und niemanden ausschließen.
Gerade bei existenzsichernden Leistungen wie dem Bürgergeld muss gewährleistet bleiben, dass Menschen ihre Ansprüche unabhängig von ihrer technischen Ausstattung oder ihren digitalen Fähigkeiten geltend machen können. Deshalb bleibt die Möglichkeit, Leistungen auch weiterhin schriftlich zu beantragen, ein wichtiger Bestandteil eines niedrigschwelligen Zugangs zur Grundsicherung.
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit: eServices für Bürgerinnen und Bürger
https://web.arbeitsagentur.de/ - Bundesagentur für Arbeit: Bürgergeld beantragen
https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslosengeld-2/arbeitslosengeld-2-beantragen - Bundesagentur für Arbeit: Anmeldung und Konto – Antworten auf häufige Fragen
https://www.arbeitsagentur.de/anmeldung-und-konto-antworten-auf-haeufige-fragen - Bundesagentur für Arbeit: Verpflichtende Multi-Faktoren-Authentifizierung (MFA)
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/essen/presse/2025-9-sicherheit-der-online-accounts-ba-fuhrt-verpflichtende-nutzung-einer-multi-faktoren-authentifizierung-ein - Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu Anwendungsschwierigkeiten beim Registrierungs- und Authentifizierungsprozess im Fachportal der Bundesagentur für Arbeit (Bundestags-Drucksache, abrufbar über die Dokumentations- und Informationssysteme des Deutschen Bundestages).
